Vorbereitung, Organisation und Realisierung

Von Anfang an war für mich klar, dass ich meinen Camino so weit wie möglich selbst organisiere und unterwegs auf größtmögliche Spontanität Wert lege. Lediglich An- und Abreise waren im Voraus gebucht. Auch wenn sich heute Transportdienste für den Rucksack, komfortable Hotels und jede Menge andere Annehmlichkeiten am Pilgerweg anbieten, war es immer mein Ziel, möglichst klassisch zu pilgern. Alle Übernachtungen wurden vor Ort am Eingang der Herberge geregelt und meinen Rucksack trug ich stets selbst.
Zum Pilgern gehört für mich auch die Übernachtung in den Herbergen mit ihren großen Schlafsälen und das gemeinsame Pilgermahl am Abend. Nur so kommt man mit Leuten aus aller Welt ins Gespräch und lernt sich kennen.
Meine Ausrüstung war zeitgemäß und funktionell, zudem optimiert was Inhalt und Gewicht betrifft. Zur Vorbereitung besorgte ich zuerst Literatur aus der städtischen Bibliothek. In meinen Jugendjahren war ich Pfadfinder und wusste prinzipiell auf was es bei mehrtägigen Märschen ankommt, doch haben sich Technik und Methoden in den vergangen 40 Jahren weiter entwickelt. Da ich in den letzten Jahren nur noch als Tageswanderer unterwegs war, musste sowieso alles, was für die Langstrecke wichtig ist, neu beschafft werden. Dazu gehörten ein mittelgroßer Rucksack (45 l), Poncho, Microfaserhandtuch, leichter Schlafsack und nach Tour II auch noch neue Schuhe. Spezielle Hi-Tec Funktionswäsche habe ich mir nicht angetan. Baum- und Merinowolle mag ich lieber und haben den Vorteil, dass man sie auch mal einen Tag länger anziehen kann.

Mit einem Rucksackgewicht zwischen zehn und 13 Kilo, je nach Füllung mit Proviant und Wasser, war ich unterwegs. Im Internet und  vielen Büchern wird darauf hingewiesen, dass das Gewicht des Rucksackes 10% des Körpergewichtes nicht überschreiten darf. Ansonsten drohen Beschwerden oder gar Schäden an Gelenken und Muskulatur. 
Wer mich persönlich kennt, weiß, dass ich keine 130 kg wiege und den Camino trotzdem überlebt habe. Das witzige ist, ich traf Leute mit einem 20 kg schweren Rucksack. – Auch die kamen in Santiago an. Das ist für mich ein Beispiel von seltsamen Tipps die durch Literatur und Internetforen geistern. Selbstverständlich muss auf ein geringes Gewicht des Rucksacks geachtet werden. Bei Leuten mit Problemen in Hüftgelenken oder Knien gilt das umso mehr. Interessant fand ich bei meinen Vorbereitungen die Internet-Diskussionen, oder besser Koketterien, wer den leichtesten Ruck­sack hat.
Diese und andere Beiträge im Internet zeigten mir schnell, dass Pilgerforen mit Vorsicht zu genießen sind. Jedem der vorhat zu Pilgern würde ich daher einen Pilgerführer (siehe 1. und 2. im Literaturverzeichnis) empfehlen und die dortigen Ausrüstungslisten und -hinweise anzuwenden. Im Übrigen sollte bei der Kleidung jeder das tragen, was ihm behagt, nicht das was gerade angesagt ist.

Durch die Aufteilung über mehrere Jahre konnte ich meine Ausrüstung optimieren. Beim ersten Mal war ich z.B. noch mit einer Landkarte unterwegs. Die Ausschilderung des Weges mit gelben Pfeilen, Muscheln und Schildern machen allerdings Karten oder gar ein Navigationssystem über­flüssig. Ein langärmliges Hemd und ein kleines aufblasbares Kissen blieben beim nächsten Mal ebenso daheim. 
Reiseführer und andere Pilgerliteratur hatte ich während der letzten beiden Touren in meinem Smartphone. Dazu eine kleine Bluetooth Tastatur für's Smartphone, mit der ich Tagebuch schrieb. So führte ich fast kein Papier mit mir.

Den Camino in mehrere Touren aufzuteilen ist wirklich nichts Neues. Die Herausforderung bei der Vorbereitung der Touren bestand allerdings darin, An- und Abreisen zu planen und organisieren. Das Eisenbahnnetz in Spanien ist im Vergleich zum deutschen nicht sehr dicht. Das besser ausgebaute Fernbusnetz hat auch nur in großen Orten Haltestellen. Es gibt über das Land hinweg verteilte Flughäfen in Nordspanien, die meist nur von inländischen Lokationen angeflogen werden. An- und Abflug von internationalen Flughäfen, meist über Madrid oder Barcelona, ist in der Regel teuer.
Bei einer geplanten durchschnittlichen Tagesmarschleistung von 25 km galt es Orte am Camino zu finden, die für den Ein- und Absprung aus den Etappen geeignet sind. Die brauchbaren Bus- bzw. Bahnstationen sind teilweise mehr als 50 km voneinander entfernt!
Als flexibelste und günstige Lösung erwies sich die An- und Abreise per Flugzeug von und nach Madrid. Die Bahn- und Busverbindungen in den Norden sind von dort aus recht gut. Mit dem Hochgeschwindigkeitszug Alvia ist es meist schneller weiterzureisen als mit einem Anschlussflug.

Literatur

Die Reiseführer 1. und 2. gibt es auch als eBook und können so im Smartphone oder Tablet mitgenommen werden. Die übrige Literatur ist weniger zum mitnehmen, als zur Vor- und Nachbereitung tauglich. Zur Vorbereitung möchte ich die Lektüre von 3. empfehlen. Die Autorin Carmen Rohrbach ist bekennende Atheistin und ging den Camino vor fast 30 Jahren. Sie berichtet mit sehr viel Respekt von ihrer Pilgerreise, zudem schreibt sie mit profunden Kenntnissen über Geschichte, Biologie und Geografie.

  1. Joos, Raimund: Spanien: Jakobsweg Camino Francés, Conrad Stein Verlag, 17. Auflage 2014
  2. Rabe, Cordula: Spanischer Jakobsweg, Bergverlag Rother, 12. Auflage 2017
  3. Rohrbach, Carmen: Jakobsweg, Frederking & Thaler Verlag München, 3. Auflage 2002
  4. Höllhuber, Dietrich; Schäfke, Werner: DuMont Kunst-Reiseführer - Der Spanische Jakobs­weg, Dumont Reise Verlag, 6. Auflage 2008
  5. Fink, Alois; Kaufmann, Hans-Günther: Straßen nach Santiago de Compostela - Auf den Spuren der Jakobspilger, Süddeutscher Verlag, ca. 1988

Empfehlenswerte Links

Die beiden Jakobusgesellschaften unterstützten mich bei der Planung und verkaufen Grundausrüstung (Credencial, Jakobsmuschel, ...)

Verkehrsmittel: Wer die Links auf meinen Seiten verfolgt hat, stellt fest, dass Wikipedia für Pilger ein gutes Nachschlagewerk ist. Der Camino Francés wird sogar durch eine Navigation unterstützt. Zu allen Orten, Sehenswürdigkeiten und Ereignissen gibt es teilweise sehr gut geschriebene Artikel. 

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Titelbild: Ausschnitt meines Credencials (Pilgerausweis)
Abschlussbild: Meine Person auf den letzten Kilometern vor León

© 2015-2018 einschließlich aller Fotos: Matthias S. Greska - Layout: Pamplona - V.18070301

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