Ligurien mit Cinque Terre 2014 – Der Reisebericht

Vierzehn Tage Urlaub und endlich wieder nach Italien. Diesmal wollten wir Ligurien erkunden, denn Orte wie Genua, Sanremo oder die Landschaft mit den Dörfern im Cinque Terre haben schon im Reiseführer große Anziehungskraft.
Da Ligurien eine ordentliche Ausdehnung hat, entschieden wir uns in zwei Hotels für je eine Woche abzusteigen. In der ersten Woche hatten wir ein Hotel in San Bartolomeo al Mare. Das Hotel Bellavista war für seine drei Sterne ganz ordentlich und das Essen (Halbpension) wirklich gut. Der Ort San Bartolomeo ist ein reinrassiger Badeort und hat nur für Strandtouristen was zu bieten. Die zweite Woche hatten wir in Levanto unsere Unterkunft. Das Park Hotel Argento war sehr gut. Zimmer und Essen (ebenso Halbpension) waren erstklassig. Von dort aus machten wir in erster Linie unsere Ausflüge in die Cinque Terre. Dazu war es von der Lage her ideal, doch dazu später mehr.
Zur Anreise wählten wir das eigene Auto, um flexibler zu sein und bei der mitgeführten Ausrüstung keine Zugeständnisse machen zu müssen. Von München aus fuhren wir nach San Bartolomeo über die Schweiz. Diese Strecke ist von München aus kürzer als die über den Brenner und bietet in der Schweiz sehr schöne Ausblicke.
Während wir in der ersten Woche noch ausschließlich das Auto zur Fortbewegung verwendeten war es ab Levanto später die Eisenbahn. Wir hatten Levanto ganz bewusst als Stützpunkt gewählt, da uns dort eine Bahnverbindung direkt in die Dörfer der Cinque Terre zur Verfügung stand. Unser Hotel lag eine viertel Stunde zu Fuß vom Bahnhof entfernt und dort stiegen wir in die stündlich verkehrenden Züge. Die Orte der Cinque Terre konnten wir damit in wenigen Minuten erreichen.

Die im Nachgang aufgeführten Orte wurden von uns genauer besichtigt. Es gab auch Orte wie z.B. Alassio oder Imperia, die uns nicht wirklich ansprachen und von uns nach kurzem Zwischenstopp wieder verlassen wurden.

Sanremo

Der mondäne Badeort an der Riviera ist bei uns vor allem wegen des italienischen Schlager­wett­bewerbs bekannt, der alljährlich dort stattfindet. Als wir dort ankamen, war schnell zu merken, dass diese Stadt Extravaganz zu bieten hat. Straßen, Plätze und Häuser sind jedenfalls sehr gepflegt. In den Gassen und Fußgängerzonen gibt es noble Boutiquen und Feinkostläden. Hotels mit vielen Sternen reihen sich aneinander und verleihen der Stadt ein mondänes Ambiente.
Am Bahnhof parkten wir unser Auto in einer Parkgarage, die € 1,20 pro Stunde kostete, was für uns vertretbar war. Wir liefen zuerst in die Pigna (Altstadt von Sanremo) und besichtigten die Kirchen San Siro und Immacolata Concenione. Die große Markthalle mit ihrem reichhaltigen Angebot an Lebensmitteln sahen wir uns in erster Linie von Innen an. Über enge urige Gassen erreichten wir den Corso Giacomo Matteotti. Das dortige Casino besichtigten wir nur von außen und gingen dann zur Strandpromenade. Der dortige Hafen war belegt mit eindrucksvollen Yachten.

Cervo

Unmittelbar neben unserem ersten Herbergsort, San Bartolomeo al Mare, liegt Cervo. Im Gegensatz zu diesem kann der Ort mit einem Schnuckeligen historischen Kern aufwarten. Das Auto parkten wir unterhalb des Ortes, da die engen malerischen Gassen für Auto nicht geeignet sind. Das mag für die Anwohner anstrengend sein, wir empfanden das als sehr angenehm. Die Pfarrkirche ist weithin sichtbar und sehr bekannt. Das Gotteshaus kann sich innen und außen in barockem Baustil sehen lassen.

Das Nevetal hinauf nach Zuccarello und Castelvecchio di Rocca Barbena

Fährt man von der Küste ins Landesinnere Liguriens wird es sehr schnell bergig und dicht bewaldet. Das erlebten wir in Richtung Zuccarello von Albenga aus, wo es das Nevetal hinauf ging. Über enge Straßen fährt man bergauf und das durch dichtesten Urwald. Nur gelegentlich kam uns hier ein Fahrzeug entgegen.
Zuccarello ist ein nettes Straßendorf, das von außen mit Wehrtürmen gut befestigt wirkt. Entlang der Hauptstraße geht der Fußgänger unter geräumigen Arkaden, in denen sich auch ein paar Läden befinden. Als Folge der Umgehungsstraße ist der Ort heute verkehrsberuhigt und auch so ist es dort sehr ruhig. Sehenswert ist in jedem Fall auch die dortige Eselsrückenbrücke über die Neve.
Weiter oben im Nevetal liegt der Ort Castelvecchio di Rocca Barbena mit seiner mittelalterlichen Burg Castello dei Clavesana. Die Burg sieht zwar mitgenommen aus, wird aber bis heute bewohnt und kann nicht besichtigt werden. Wir fuhren als erstes zu einem Aussichtspunkt der oberhalb der Ansiedlung ist. Der Ausblick von dort ist sicher ein Traum für Fans von Mittelalter- und Fantasygeschichten. Der Ort wirkt so als wäre vor vielen Jahrhunderten die Zeit stehen geblieben. Das ist wohl auch der Grund, weshalb er schon mehrfach als schönster Touristenort ausgezeichnet wurde.

Albenga

Diese Stadt ist ein Muss in Ligurien für Freunde mittelalterlicher Stadtkerne. Mit seinen Geschlechtertürmen, Wohnhäusern und Kirchen fühlten wir uns an San Gimignano erinnert. Am frühen Vormittag angekommen erlebten wir außerdem eine sehr geschäftige Stadt in der nicht nur Touristen bummeln und shoppen.
Die Kathedrale San Michele ist eine teilweise regotisierte Barockkirche (oder anders herum) und wirkte unfertig auf uns. Gleich nebenan befindet sich das frühchristliche Baptisterium mit einem Byzantinischen Mosaik. Der Eintritt dafür beträgt € 3,-, ist aber sein Geld wert, denn so ein Mosaik bekommt man ansonsten nur in Ravenna zu sehen.
Beim Bummel durch die Altstadt von Albenga kann man die Palazzi mit ihren imposanten Türmen auf sich wirken lassen und in einem Café die Atmosphäre genießen.

Taggia und Dolceaqua

Taggia ist sicher eine der bekanntesten mittelalterlich geprägten Städte im Westen Italiens. Innerhalb unseres eher kurzen Aufenthaltes konnten wir doch einiges in Augenschein nehmen, was uns beeindruckte.
Da war zuerst die Argentinabrücke aus der Römerzeit. Eine eindrucksvolle Steinerne Brücke mit vielen Bögen, die sich über den gleichnamigen Fluss spannt. Weiter ging es dann durch die Altstadt mit den vielen lauschigen Laubengängen. Sehr schön ist dort vor allem die Via Soleri mit vielen netten Läden und eindrucksvollen Herrenhäusern aus alter Zeit, denen man noch heute ihren Stolz ansieht.
Einen Ort mit kleinen, engen und verwinkelten Gassen gesucht? In Dolceaqua wird man fündig! Wir schlenderten durch den wirklich engen Ortskern, der sich an einem Hang befindet, und mussten regelmäßig Touristengruppen ausweichen. Touristen aller Nationen findet man dort übrigens in großen Mengen und entsprechend schwer war es dort zu fotografieren. Wer allerdings gerne in solch engen und verwinkelten historischen Orten verweilt ist hier genau richtig.
Bemerkenswert ist auch die Eselsrückenbrücke über den Fluss Nervia und die über der Stadt thronende Burg, die auch besichtigt werden kann. Das war uns aus Zeitgründen leider nicht möglich.

Levanto

Das Küstenstädtchen zeigt sich als lebhafter Badeort mit schönen Plätzen und repräsentativen Gebäuden im Baustil des späten 19. Jahrhundert. Viele kleine Läden, die von Lebensmittel über Bademoden bis Schmuck so ziemlich alles anbieten, bereichern das Stadtbild. Levanto war von uns ursprünglich als Stützpunkt für unsere Ausflüge in die Orte der Cinque Terre gedacht, gefiel uns aber so gut, dass wir einige Zeit mit dem Besichtigen verbrachten.
Die Kirche St. Andrea ist ein Schmuckstück ligurischer Gotik und definitiv sehenswert. Das Castello kann zwar nicht besichtigt werden, aber der Ausblick von dort oben ist reizvoll.

La Spezia

Glaubt man den gängigen Reiseführern, ist diese Stadt nicht unbedingt sehenswert. Dem müssen wir jetzt widersprechen. Sicherlich gibt es dort einen großen Kriegshafen und Raffinerien, die stören das Stadtbild aber überhaupt nicht.
La Spezia verfügt über Prachtstraßen mit respektablen Bauten, die nicht nur protzen, sondern auch mit schöner Architektur glänzen. Der Stadtteil Prione besteht aus sehr schönen Etagenhäusern am Hang und Bürogebäuden hin zum Hafen. Oberhalb der Stadt thront das Castello San Giorgio. Der Ausblick von dort über die Stadt ist klasse.
Sehr beeindruckt waren wir vom urbanen Leben in dieser Stadt an einem Montag spät nachmittags. Menschen verschiedenster Altersgruppen waren auf den Plätzen und in den Cafés zu sehen, welche sich unterhielten und spielten. Die Atmosphäre war einladend lebendig und die schönen Häuser der Stadt boten das passende Ambiente.

Genua

Die einst mächtige Seerepublik ist bis heute eine stolze Stadt welche unbedingt besichtigenswert ist. Mit rund 800.000 Einwohnern ist die Stadt nicht gerade klein und glaubt man den Reiseführern ist die Altstadt fast genauso groß wie jene von Rom.
Uns war klar, dass wir uns für einen Tagesausflug auf das Wesentliche beschränken müssen und so haben wir unseren Besichtigungsplan bereits im Reiseführer konsolidiert.
Die Via XX. Settembre, eine wahre Prachtstraße, liefen wir zuerst in Richtung Piazza de Ferrari, dabei schlugen wir Haken und besichtigten unter anderem die romanische Kirche Saint Stefano. Am vermeintlichen Wohnhaus von Christoph Columbus sahen wir uns auch um und gaben uns dem Glauben hin, dass der spätere Seefahrer da auch wirklich lebte.
Ab dem Piazza de Ferrari, in Richtung Hafen, wird Genua historischer. Die Straßen und Gassen sind enger und die Bauten nicht mehr so protzig. Hier fühlt sich die Stadt eigentlich wohnlicher an.
In diesem Viertel besichtigten wir die beiden imposanten Kirchen Chiesa del Gesù e dei Santi Ambrogio e Andrea und die Kathedrale San Lorenzo. Weiter ging es danach zum Piazza de Ferrari, an dem Banken und andere internationale Konzerne residieren. Entsprechend ist die Architektur. Wir liefen noch durch die Galleria Mazzini und sahen uns die Auslagen der Shopping Mall an, um danach relativ zielstrebig zur Bahnstation Brignole zu kommen, denn der Zug nach Levanto wartete schon auf uns.

Cinque Terre

Der wohl entscheidendste Grund nach Ligurien zu fahren war für uns dieser Nationalpark, der weit über die Grenzen Italiens berühmt ist. An Steilhängen gebaute Ortschaften und terassenförmiger Anbau von Wein und Gemüsepflanzen über dem Meer sind nicht nur optisch ein unvergessliches Erlebnis. Mit Ausnahme von Monterosso al Mare und Riomaggiore gibt es in den Ortschaften keinen Verkehr. Lärmende Autos oder gefährliche Radfahrer stören nicht das Leben in den Orten Vernazza, Corniglia und Manarola und das ist an sich schon ein Genuss. Dazu kommen schöne und gepflegte Bausubstanz und mediterranes Ambiente der Küstenorte.
Zwischen den Orten laufen Fußwege, die allerdings immer wieder wegen Bauarbeiten oder Erdrutschen gesperrt sind. Idealerweise bewegt man sich zu und zwischen den Orten mit der Eisenbahn, für die nur ein geringer Fahrpreis erhoben wird (s. Anhang).

Fazit

Ligurien ist eine Region Italiens die mehr als 14 Tage Kultururlaub verdient. Die Orte und Landschaften die wir sahen, waren allein schon so schön und interessant. Dazu kommen aber noch Lokationen die wir aus Zeitgründen links liegen lassen mussten. Für uns steht jedenfalls fest, dass uns Ligurien wieder sehen wird.

Zusatzinformationen

Reiseführer:

Das Eisenbahnnetz an der ligurischen Küste ist sehr gut ausgebaut und echt kostengünstig. Nach Genua fuhren wir in 65 Minuten mit dem Intercity für gerade mal € 9,- pro Person, und das inklusive Platzreservierung. Die Autobahn zwischen Genua und La Spezia dagegen ist wegen enger Kurven und vieler Tunnels anstrengend zu fahren und kostet mehr. Die Wagons der Züge sind komfortabel, sauber und klimatisiert. Platzreservierung sollte man allerdings immer gleich mit buchen. Bei der Regionalbahn zwischen den Ortschaften der Cinque Terre gibt’s natürlich keine Reservierung.
Die italienische Eisenbahngesellschaft hat ein deutsches Informations- und Buchungsportal im Internet. Außerdem gibt es für die gängigen Smartphones eine App. Link: http://italienische-bahn.de/

Weitere informative Links zu diesem Reisebericht

Die Fotos zu dieser Website lassen sich durch einfaches Anklicken der Bildchen im Fotoalbum zum Reisebericht im größeren Format begutachten.
Unsere Touren wurden wieder ausnahmslos mit einem GPS-Logger aufgezeichnet um unsere Fotos mit Geoinformationen ausstatten zu können (Geotagging). Durch einfaches Anklicken des Feldes in den Slideshow-Fenstern wird in einer separaten Karte der Aufnahmeort angezeigt.


© 1997-2016 einschließlich aller Fotos: Matthias S. Greska - Layout: Pamplona - V16020601 - 06.02.2016